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Expertenrat: Was das Pferd fressen darf


Expertenrat: Was das Pferd fressen darf
Deniz Karius 0 Kommentare

Falsche Fütterung führt bei Pferden oft zu schweren Erkrankungen. Fachtierarzt Dr. Arnold Hülsey gibt Rat am Telefon.

Im Frühjahr sollten Halter ihr Pferd vorsichtig an das frische Gras gewöhnen. Die Darmbakterien müssen sich auf die ungewohnte Kost erst einstellen.
Im Frühjahr sollten Halter ihr Pferd vorsichtig an das frische Gras gewöhnen. Die Darmbakterien müssen sich auf die ungewohnte Kost erst einstellen.
Quelle: Ulli Dackweiler

Pferde sind nicht nur groß, stark und schnell. Sie sind auch sehr empfindlich, besonders was ihr Futter angeht. Deshalb lädt unsere Redaktion Sie, unsere Leser, dazu ein, bei unserem Expertentelefon zum Thema richtige Pferdefütterung anzurufen. Am Samstag, 29. März, beantwortet Dr. Arnold Hülsey, Leiter der Pferdeklinik Kerken, von 12 bis 14 Uhr für Ihre Fragen.

"Pferde sind Fluchttiere, deshalb ist ihr Organismus recht anfällig", sagt Hülsey. So haben Pferde, die in großen Rennställen stehen, oft Magengeschwüre. "Diese werden durch Stress verursacht, sind aber mit Medikamenten, wie sie auch beim Menschen eingesetzt werden, heilbar", sagt der Fachtierarzt für Pferde. Manchmal allerdings liegt einem Magengeschwür auch falsche, wenn auch gut gemeinte Fütterung zugrunde. Wird zuerst Hafer gegeben, schüttet der Magen zu viel Säure aus. "Deshalb sollten Pferde immer als erstes Heu bekommen. Es dient als räumlicher und chemischer Puffer, der den Hafer auffängt", sagt Dr. Hülsey.

Ohnehin lassen sich viele Erkrankungen auf Fehlfütterung zurückführen. So beobachtet Hülsey seit rund zehn Jahren, dass viele Pferde zu dick sind. "Das liegt auch daran, dass es heute weniger Sport- und mehr Freizeitpferde gibt. Und viele Leute entscheiden sich für robuste Tiere wie Isländer. Diese sind allerdings gewohnt, mit kargem Futter zurechtzukommen." Bekommt ein Isländer zu gutes Futter, kann er am Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) erkranken. Das führt dazu, dass die Tiere fett werden und schlimmstenfalls einen Leberschaden erleiden. Das EMS ist eine chronische Erkrankung, die zwar besonders häufig Isländer, aber auch alle andere Rassen treffen kann. "Mit einer konsequenten Diät lässt sie sich aber gut in den Griff bekommen", sagt Dr. Hülsey. Kümmert sich der Halter jedoch nicht darum, so kann aus der Fettsucht leicht eine sehr schmerzhafte und schlimmstenfalls sogar tödliche Hufrehe entstehen.

Auch Morbus Cushing, eine Störung im Cortisonhaushalt, der vor allem bei älteren Pferden auftritt, führt zu Fettleibigkeit und letztlich zur Entzündung des Hufes. Zu dieser kommt es übrigens auch, wenn ein Pferd zu viel junges Gras frisst. Denn dieses enthält zu viel Fructan, also hochkonzentrierten Mehrfachzucker, die die an Trockenfutter gewöhnten, empfindlichen Darmbakterien des Pferdes nicht ohne Weiteres verarbeiten können. Die bei der Verdauung entstehenden Gase wiederum können eine Kolik verursachen.

"Deshalb sollte man sein Pferd erst nach der Fructanphase der Wiesen – das heißt, erst nachdem es nachts nicht mehr so kalt und tagsüber vergleichsweise warm ist, auf die Weide schicken. Außerdem sollte es während der ersten 14 Tage der Weidesaison dort auch nur eine halbe bis maximal eine Stunde stehen", sagt Dr. Hülsey. "So lange brauchen die Darmbakterien, um sich umzustellen." Die Weide muss ohnehin pferdegerecht sein: "Eiben und Buchsbaum haben dort nichts zu suchen. Sie sind giftig fürs Pferd", betont Dr. Hülsey. Das gilt übrigens auch für Langeweile: "Wenn Pferde sich langweilen, fressen sie einfach alles, also auch Sand oder die für sie hochgiftigen Ahornblätter im Herbst", sagt Dr. Hülsey.

Grundsätzlich tun Pferdeliebhaber ihrem Tier auch mit zuckerhaltigem Futter keinen Gefallen, denn das führt zu Karies. "Normalerweise brauchen Pferde nur Heu, Hafer und Stroh, allerdings fressen sie liebend gern süße Rübenschnitzel." Versäumt der Halter aber, diese gründlich vorquellen zu lassen, quellen sie in der Speiseröhre enorm auf – eine Schlundverstopfung ist die Folge. Diese kann auch entstehen, wenn das Pferd gierig ganze Äpfel verschlingt. "Das Pferd bekommt keine Luft mehr, und kann, selbst wenn die Ursache beseitigt ist, noch an den Stressfolgen sterben", warnt Dr. Hülsey. "Und auch deshalb ist bei der Fütterung von Pferden weniger oft mehr. Wer es richtig macht, vermeidet unnötige Kosten und erhöht die Lebensqualität seines Tiers."

Wenn Sie Fragen rund ums Thema richtige Pferdefütterung haben, rufen Sie Dr. Arnold Hülsey bei unserem Expertentelefon am Samstag, 29. März, an.

Mitmachen

Telefonaktion am 29. März
Am Samstag, 29. März, können Sie uns anrufen. Dann steht Ihnen zwischen 12 und 14 Uhr der Fachtierarzt für Pferde Dr. Arnold Hülsey zum Ortstarif für Ihre Fragen zum Thema Pferdefütterung zur Verfügung. Sie erreichen ihn unter Telefon 0211 505-2270. Sie haben am 29. März keine Zeit? Dann schicken Sie uns vorab Ihre Fragen an tiere@rp-digital.de. Die Antworten auf die häufigsten und interessantesten Fragen lesen Sie am 5. April in der RP und natürlich online auf www.pets.de.

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